Ist der Weidezaun noch sicher?

Alle Pferde sollen die Möglichkeit zur freien Bewegung haben und zwar am besten mehrere Stunden täglich. Da wird gerne aus jeder verfügbaren Fläche ein Auslauf für Pferde gemacht. Doch was gut gemeint ist, kann schnell zu einer Haftungsfrage werden, falls der noch schnell mal eben aufgebaute Zaun seine Hütewirkung nicht erfüllte. Wir haben aus den „Leitlinien für Pferdehaltung“ ein paar Informationen für Euch zum Thema Weidezaun zusammengestellt:

Darin heißt es: „Weidebegrenzungen müssen verletzungssicher, ausbruchssicher mit ausreichender Höhe und einem Abschreckungseffekt, sichtbar, stabil und langlebig sein, darüber hinaus umweltfreundlich und kostengünstig in Errichtung und Unterhaltung. Natürliche Hindernisse, wie kleine Gräben, Wälle, Windschutzstreifen, Böschungen, stellen für Pferde nicht unbedingt eine Begrenzung dar.“

Daraus ergibt sich schon grundlegend, dass ein Stacheldrahtzaun oder ein dünner, kaum erkennbarer Elektrodraht auf Hüfthöhe nicht zu akzeptieren sind. Zum Glück sieht man diese Arten der Einzäunung heute so gut wie gar nicht mehr.

Hinzuzufügen ist, dass ein Pferd, das sein Leben lang auf der gleichen Weide steht, seine Grenzen sehr gut kennt und wirklich quasi ein Blitz einschlagen muss, um es auf die Idee zu bringen, diese Grenzen zu durchbrechen. Doch deutlich anders sieht es aus, wenn ein Neuling mit auf die Weide kommt. Er wird die Grenzen erstmal auskundschaften und braucht dann in einer Schrecksekunde eine deutliche optische Begrenzung, um diese nicht zu überspringen oder zu überrennen.

Auch musst Du als Pferdehalter wissen, dass sich auch Dein sonst sehr gelassenes, sehr entspanntes Pferd durchaus von in Wallung geratenen Weidepartnern oder Nachbarpferden mitreißen lassen kann. Eine in Panik in Bewegung gekommene Herde ist nicht so einfach mit einem Zäunchen zu stoppen. Schließlich hört man tatsächlich zwei- dreimal im Jahr in dicht besiedelten Gebieten eine Meldung im Radio von ausgebrochenen Pferden auf Schnellstraßen. Der Haftungsschaden in solchen Fällen kann enorm in die Höhe schießen, da ist es gut, wenn die Versicherung dem Pferdehalter oder –hüter keine Fahrlässigkeit nachweisen kann.

Welche Art der Ausführung akzeptabel ist, hängt auch davon ab, ob es sich um einen Außenzaun handelt, der die gesamte Weidefläche einfriedet, womöglich neben einer Bahnstrecke oder einer Straße, oder um einen Innenzaun, der die gesamte Weidefläche in Parzellen unterteilt. Die sogenannte Hütewirkung sollten jedoch beide Zaunarten haben, d.h. er sollte stabil und von mechanischer Festigkeit sein und/oder eine Abschreckwirkung durch elektrische Impulse haben.

Außenzäune sind in den allermeisten Fällen stationäre Zäune, sie werden einmal aufgebaut und bleiben über mehrere Jahre stehen. Diese solltet Ihr also besonders in punkto Sicherheit und Stabilität überprüfen. Innenzäune sind meistens entweder halbstationär, d.h. sie werden Anfang der Weidesaison aufgebaut und am Ende der Weidesaison wieder abgebaut. Oder es handelt sich bei ihnen sogar um mobile Zäune, die also mehrmals im Jahr umgesetzt werden, etwa um die Grasnarbe sich parzellenweise immer wieder erholen lassen zu können.

Für den Bau eines Außenzaunes solltest Du Dir unbedingt professionelle Hilfe dazu holen, denn Du brauchst dafür schwere Gerätschaften. Die Zaunhöhe sollte mindestens 1,20 m betragen. Rechnest Du allerdings mit der Faustregel 0,8 x Widerristhöhe des größten Pferdes auf der Weide, kommst Du bei einem Pferd mit 1,70 m Stockmaß schon auf 1,40 m Außenzaunhöhe. Damit der Zaun wirklich stabil steht, müssen die Zaunpfähle mit einem Drittel ihrer Länge im Boden eingegraben sein. Das bedeutet, dass Pfosten mit 2,10 m Länge etwa alle 4 m in den Boden gerammt werden müssen. Wobei den Eck- und Torpfosten noch eine besondere Bedeutung zukommt, diese sind zusätzlich zu versteifen oder im Idealfall einbetoniert. Mindestdurchmesser eines solchen Zaunpfahles aus Holz ist 9 cm, Mindestdurchmesser von hölzernen Querriegeln, meist Halbrundriegeln, sollte 10 – 12 cm sein. Für die Zaunpfähle empfiehlt sich Hartholz (Eiche, geschälte Robinie), für die Querriegel kann auch preisgünstigeres Weichholz verwendet werden, doch eine Imprägnierung ist erforderlich. Die Verwendung von gebrauchten, ölgetränkten, -imprägnierten Eisenbahnschwellen, Strom- oder Telegrafenmasten ist mittlerweile in der Landwirtschaft verboten.

Anders sieht es bei den Innenzäunen zur Koppelunterteilung aus. Hier bietet sich der Elektrozaun an. Er ist natürlich in der Optik nicht so respekteinflößend, wie ein massiver Holz- oder auch Kunststoffzaun, er erhält aber seine abschreckende Wirkung durch den elektrischen Impuls, den das Pferd bei der kleinsten Berührung erhält. Um aber sicherzustellen, dass das Pferd den Zaun wirklich wahrnimmt, solltest Du eine Elektrolitze von mindestens 40 mm Breite wählen. Bringst Du die Litze zwei- oder sogar dreireihig an, kommst Du auch mit einer Breite von 20 mm aus, in dieser Breite sind die Litzen weniger witterungsanfällig. Wird die Elektrolitze an Holzpfählen geführt, musst Du sie durch an die Pfähle geschraubte Isolatoren führen. Verwendest Du leicht selbst durch Fußdruck in die Erde zu bringende Kunststoffpfähle, so haben die Pfähle an sich eine isolierende Wirkung.

Ein Problem bei diesen Litzen ist es, deren Leitfähigkeit bestmöglich zu erhalten. Bedingt durch die Witterung verschmutzen sie und bußen Leitfähigkeit ein. Ebenfalls durch Bewuchs, entweder langstehendes Gras von unten, oder Strauch- oder Baumzweige von der Seite. Dieser Bewuchs ist unbedingt wöchentlich zu kontrollieren und gegebenenfalls zu entfernen, sonst hat der Elektrozaun schnell keine abschreckende Wirkung mehr.

Der Erkundungsdrang der Pferde und das Bedürfnis der Fellpflege mit dem Weidenachbarn sind nicht zu unterschätzen und in der Zaunplanung mit einzurechnen!

Ein Weidezaungerät für die Stromversorgung des Zauns kann über einen stationären Netzanschluss versorgt werden, aber auch durch eine Batterie oder einen Akku, sogar mit Solarzellen.

Falls Dir noch etwas fehlt für Deinen Weidezaun, dann schau mal hier nach.

Ein Beispiel für einen gut ausgeführten Innenzaun kannst Du hier in unserem Video über einen Aktivstall sehen.

2017-05-02T12:08:52+00:00 April 28th, 2017|Gesundheit & Pflege|

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