„Sich morgens mal nicht für den Stall und zum Reiten anzuziehen ist schon ein Gefühl wie Urlaub, mitten in der Woche. Nachdem ich meine Tochter in den Kindergarten gebracht hatte konnte ich pünktlich um neun mit dem Auto in Richtung Essen starten. An ein nahe gelegenes Parkhaus konnte ich mich noch vom letzten Mal erinnern, so dass ich um Viertel vor zehn mit vielen vielen anderen Messebesuchern vor den Türen der EQUITANA stand und auf den Einlass wartete.

Mein geplantes Programm für den Tag hatte ich mir auf einen handlichen Zettel geschrieben, damit ich nicht immer auf dem Handy nachsehen muss und so den Akku schone! Schließlich wollte ich meine Eindrücke den ganzen Tag über in Bild und Video für Euch festhalten können.
Also rein in die Hallen, orientieren, ein bisschen rechts und links schauen, was angeboten wird und schon nahm ich das erste Mal auf einer kleinen Tribüne in Halle 1 im Gesundheitsforum Platz. Die Sitzreihen füllten sich und schon begann der erste Vortrag, drei Islandponys waren auch zu Demonstrationszwecken vor Ort. Ich hatte mir diese Präsentation „Faszien lösen beim Pferd“ auf meinem Plan notiert und war gespannt, was es dazu Neues geben würde. Durch verschiedene Fortbildungen mit Eckart Meyners war mir schon einiges über Funktion und Wirkung von Faszien bekannt und dass sie natürlich nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Pferd eine große Rolle spielen. Nach den theoretischen Einführungen stand dieser Vortrag dann unter dem Motto „Die gesunde Rollkur“. Ein Wortspiel! Denn die Hälse wurden nun nicht aufgerollt, sondern verschiedene Körperteile der Isländer mit verschieden großen Rollen aus Holz „abgerollt“! Diese Rollen sahen aus wie größere Nudelhölzer aus Erlenholz, etwas bauchig und mit Rillen. Die manuelle Bearbeitung der Faszien durch einen Physiotherapeuten oder Osteopathen kennt der ein oder andere eventuell schon. Man fasst eine Hautfalte und schiebt/drückt sie in eine Richtung weiter, so dass Verklebungen und Verhärtungen gelöst werden. Dies kann auf Dauer sehr anstrengend sein. Den gleichen Effekt möchte der Erfinder mit diesen Rollen erzielen. Die Ponys zeigten den Anwenderinnen recht deutlich, wo es ihnen angenehm war, wo nicht und wann es ihnen angenehmer wurde. Jeder soll diese Art der Therapie ohne Vorkenntnisse und ohne damit Schaden anrichten zu können, anwenden können. Ich halte es für durchaus probierenswert. Jeder, der schon einmal seine eigenen Faszien bearbeitet hat, weiß welch ein gutes Gefühl dadurch im Körper erzeugt werden kann. Auch für Hunde sind die Rollen anwendbar! Weitere Infos findet Ihr unter www.die-gesunde-rollkur.com oder www.rollart.training

Die nächste Vorführung auf meinem Zettel sollte im Mein-Pferd-Ring in Halle 2 stattfinden. Als ich dort ankam, beendeten die Gebirgsjäger der Bundeswehr gerade ihre Präsentation. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass sie dort auch mit Pferden arbeiten!

Ich hatte mich darauf gefreut Michael Geitner zu sehen, wie er das EQUIKINETIC Programm vorstellt. Leider fiel diese Vorführung aus. Zum Glück gibt es den EQUIKINETIC-Beitrag auf REITTV.de!
Im selben Ring fand mein nächster Termin jedoch statt: die Working Equitation wurde vorgestellt. Darunter konnte ich mir bisher sehr wenig vorstellen. Ich weiß, dass es eine Arbeitsreitweise ist, kann jedoch dem Gangbild der Pferde nicht viel abgewinnen. Die vorgestellten Pferde sahen jedoch gut bemuskelt aus und führten ihre Aufgaben auf dem engen Raum sehr durchlässig und willig aus. Beeindrucken fand ich eine um zwei Tonnen gerittene Acht im Rückwärtsrichten!

 

Auf dem Weg zurück in Halle 1 hatte ich Zeit am Stand von ADVINOVA Halt zu machen, wo die BALIMO-Stühle vorgeführt werden, unter anderem auch von Bewegungstrainer-Kollegen. Ich wechselte ein paar Worte mit Christiane Meyners und erholte mich etwas auf einem der angebotenen BALIMOs.

Dann stand ich am Cavallo-Ring und wartete auf die Agility Demonstration. Völlig ohne Erwartungen. Drei verschiedene Wippen lagen dort schon im Sand, eine große, dicke, rote Turnmatte, ein Balancierbalken so schmal wie für Menschen und eine große Scheibe, die ähnlich wie ein BALIMO auf einem Kugelgelenk in der Mitte gelagert ist. Dann wurden ein Pony von einem Mädchen und ein Großpferd von einer jungen Frau hereingeführt, die für die Vorführung lediglich einen Halsring trugen. Ich hörte und sah, wie die beiden Vierbeiner durch die Zweibeiner mit Clickern und Leckerlis geführt/dirigiert wurden und das funktionierte sehr gut! Sie stiegen auf die Wippen und wippten dort allein oder gemeinsam mit ihrem Menschen, drehten sich auf der Scheibe und auf der Turnmatte um die eigene Achse und balancierten sogar über den Balken. Alles völlig unaufgeregt, sie machten den Eindruck es zu genießen ihre gestellten Aufgaben zu bewältigen und sich so zu bewegen oder vielmehr auch so bewegt zu werden! Ich war von der sichtbaren Bewegung beeindruckt, die dabei wie eine Welle durch den Pferdekörper geht, dem Balanciervermögen und der Trittsicherheit der Pferde! Diese Art vom Menschen angeregt zu werden, sich zu bewegen, das bewegt werden zuzulassen, könnte mit Sicherheit viel Physio-und Osteotherapie ersetzen. Ich war sehr positiv überrascht darüber, was für einen Eindruck diese Vorführung auf mich machte und werde mein Wissen darüber sicher erweitern! Infos hierzu unter www.nina-steigerwald.de und www.pferdewippe.de

 

Nun ab in den Keller. Dort fand ich zum Glück einen nicht überfüllten Cafe-Stand und gönnte mir einen köstlichen Latte Macchiato.
Im Ring der Halle 1A wurde zunächst Arbeit an der Hand demonstriert, mit einem Pferd, das gar nicht geritten wird. Es wurde hier sehr darauf geachtet, dass die Schultern leicht und beweglich werden. Was ich jedoch vermisste, war ein wirkliches Zusammenarbeiten von Vor- und Hinterhand über den aufgewölbten Rücken, wie man es braucht, wenn das Pferd dazu noch den Reiter trägt.
Im Anschluss dort wurde das Reiten mit Franklin-Bällen demonstriert. Durch Eckart Meyners ist mir das ja durchaus geläufig, ich wollte wissen wie diese Reitlehrerin an diese Art und Weise den Sitz zu verbessern herangeht. Ihre Erklärungen dazu blieben jedoch recht oberflächlich und der Einsatz der verschiedenen Bälle erschien willkürlich. Sehr schade. Wenn ihr mehr zu Franklin Bällen erfahren wollt, lest doch diesen Beitrag!

Auf dem Weg zu Halle 6, dem großen Ring, kam ich endlich zum Shoppen und fand ein paar sommerliche Oberteile für mich.
Im großen Ring stand eine Vorführung der FN auf dem Programm: „Western meets Classic – ein Reitweisenvergleich“. Eine blütige siebenjährige Stute wurde von einer äußerst versierten Vielseitigkeitsreiterin gezeigt. Mit in der Bahn ein Reining-Vize-Weltmeister mit seinem Pferd. Keine Frage, welches Pferd hier gelassener seine Runden drehte und welches Pferd es dann nach dem Reitertausch seinem neuen Reiter leichter machte! Die Show wurde von den beiden Reitern selbst sehr unterhaltsam moderiert. Es wurden nicht nur die Unterschiede der beiden Reitweisen herausgearbeitet, sondern auch klargestellt, dass man aus einem sportlich gezüchteten Warmblüter kein Westernpferd machen kann, dafür müsste man ihm nämlich Schwung und Elastizität „abtrainieren“, und es genauso an Tierquälerei grenzen würde, wenn man dem Westernpferd ausdrucksstarke Gänge „antrainieren“ möchte. Ich selbst würde sehr gerne mal im Sattel eines ausgebildeten Westernpferdes sitzen.

Nun ging es in Halle 10/11, wo traditionell die FN, die Bundesvereinigung der Berufsreiter und die Zuchtverbände ihre Stände haben. Dort habe ich mir die Vorführung des Osteopathen Stefan Stammer angesehen, da ich ein großer Fan seines Buches „Das Pferd in positiver Spannung“ bin. Das Buch hat mir viele Dinge erklärt, die man in der Pferdeausbildung einfach macht und deren Sinn dahinter noch einmal in neuen Worten verdeutlicht. Ja, auch nach nun fast 20 Jahren Berufsreiterei lernt man nicht aus. Das werden sicher auch Berufsreiter bestätigen, die diesen Job schon 40 Jahre oder noch länger ausüben.

Nun noch einmal zurück in Halle 2. Auf dem Weg treffe ich Maren mit der Besitzerin ihres Turnierpferdes Grisu und wir werfen gegenseitig einen Blick auf unsere Shopping-Ausbeute! Nach dem Treffen mit Maren war ich schon fast 8 Stunden in den Hallen und nicht mehr wirklich aufnahmefähig. Deswegen habe ich die letzten zwei Programmpunkte auf meinem Zettel gestrichen und bin etwas früher nach Hause gefahren. So ein Tag auf der Messe ist zwar sehr anstrengend, aber auch immer wieder ein tolles Erlebnis. Bis zur nächsten EQUITANA – der EQUITANA Open Air 2018 in Neuss!“