Du kennst Röntgen, Ultraschall aber Szintigrafie ? Noch nie gehört.

Die Szintigrafie ist ein bildgebendes Verfahren der Nukleardiagnostik. Alles mit „Nuklear“ im Namen hat etwas mit Radioaktivität zu tun. Die hier eingesetzten radioaktiven Substanzen bringen nur eine sehr geringe Belastung mit sich, trotzdem ist diese Untersuchung immer mit einem mehrtägigen stationären Klinikaufenthalt von etwa 3 Tagen verbunden, die das Pferd in Quarantäne verbringt, um dort „abzustrahlen“.

Zunächst werden dem Pferd radioaktiv markierte Substanzen intravenös injiziert. Diese Substanzen, das sogenannte Technetium, gelangen über den Blutkreislauf in den gesamten Pferdekörper. Sie lagern sich dann vermehrt dort an, wo der Stoffwechsel aufgrund eines entzündlichen Prozesses erhöht ist. Nun kann das Pferd untersucht werden. Dafür muss es ganz ruhig stehen, weshalb meistens sediert wird. Eine Vollnarkose ist nicht notwendig. Mit einer sogenannten Gammakamera werden abschnittsweise Aufnahmen vom Pferd gemacht, für eine Aufnahme benötigt die Kamera etwa 90 Sekunden. Das komplette Pferd kann aufgenommen werden, also auch der Rücken, was sonst am stehenden Pferd mit einem Röntgengerät ein Problem darstellt. Die Aufnahmen werden abgespeichert und im Anschluss an die Untersuchung, die etwa ein- bis eineinhalb Stunden dauert, am Computer ausgewertet. Im sogenannten Szintigramm sind die „hot spots“ zu sehen, also Bereiche, in denen es zu einer vermehrten Anreicherung der radioaktiven Substanz gekommen ist. Dort besteht eine akute Entzündung, die möglicherweise Ursache für Schmerz, Lahmheit, Unrittigkeit etc. ist.

Je nach der Zeitspanne, die zwischen Injektion und Bildaufnahme vergeht, können verschiedene Strukturen untersuchen werden. Noch während der Injektion ist es möglich eine „Gefäßszintigrafie“ durchzuführen. Die injizierte Substanz befindet sich noch ausschließlich in den Blutgefäßen, so dass Gefäßanomalien und Thrombosen entdeckt werden können. Etwa 5 – 15 Minuten später hat sich das Technetium im Weichteilgewebe angereichert, so dass nun mit der „Weichteilszintigrafie“ entzündliches und damit vermehrt durchblutetes Gewebe im Bereich der Sehnen und Bänder offenbart werden kann.

Etwa zwei Stunden nach der Injektion kann mit der Knochenszintigrafie begonnen werden. Da sich schon vermehrte Stoffwechselprozesse im Bild offenbaren, kann hier schon z.B. eine Knochenhautreaktion oder eine minimale Fissur entdeckt werden, bevor sie im Röntgenbild sichtbar ist und zu einem Bruch geführt hat! Andersherum kann man zum Beispiel bei röntgenologisch diagnostizierten Kissing Spines sehen, ob sich an den sich berührenden Dornfortsätzen denn im Moment auch eine Entzündung abspielt, oder diese das Pferd zur Zeit gar nicht beeinträchtigen.

Die Kosten für eine Szintigrafie liegen bei mindestens 600 Euro, außerdem musst Du mit Folgekosten für weitere diagnostische Untersuchungen rechnen. Denn manchmal weiß der Tierarzt danach zwar wo er suchen muss, aber noch nicht genau, was denn an dieser Stelle im Körper Deines Pferdes genau für ein Defekt vorliegt.