Früher war man in Sachen Sattelgurte sehr unkompliziert. Es gab den langen Strippengurt (Schnurgurt). In schwarz, weiß oder braun. War das Pferd empfindlich gab es einen Gurtschoner zum Überziehen aus Teddy-oder Lammfell. Er gewährleistet bis heute eine gute Druckverteilung. Wer bereit war, mehr in die Pflege zu investieren, statt nur die Waschmaschine für sich arbeiten zu lassen, der leistete sich einen Sattelgurt aus Leder. Diese waren dann meist auf einer Seite mit stark elastischen Einsätzen versehen, die dem Reiter das Nachgurten deutlich erleichterten.

Heute gibt es eine solche Vielzahl von Gurten aus den verschiedensten Materialien, als Kurz- oder Langgurt, mit oder ohne ein-oder beidseitigem Elastikeinsatz, gerade, ausgeformt, unterlegt oder pur. Bis Du den Gurt gefunden hast, mit dem Du und Dein Pferd am besten zurechtkommen, hast Du wahrscheinlich eine Menge Geld ausgegeben.

Jedes Pferd ist individuell zu betrachten, da jedes nicht nur eine unterschiedlichen Sattel-, sondern auch Gurtlage hat! Der Gurt rutscht automatisch in die schmalste Stelle des Rumpfes. Ist diese bei Deinem Pferd sehr weit vorn gelegen, wirst Du immer Schwierigkeiten haben die Regel einzuhalten, dass eine Handbreit Platz sein sollte zwischen Ellbogen und Gurt. Auch wenn diese Handbreit zu Beginn des Gurtens noch dazwischen passt, wird der Gurt im Laufe der Bewegung weiter vorrutschen. Um den Sattel nicht im selben Maß mit nach vorne zu ziehen, wurden z.B. die sogenannten Mondgurte entwickelt. Sie können die Situation verbessern, nämlich das Vorrutschen des Sattels leicht zu verhindern, doch es ist und bleibt eine problematische Gurtlage.

Generell sollte ein Sattelgurt den Druck möglichst gut verteilen. Manchmal sehen Textilgurte aus, als wären sie breit abgepolstert, doch bei genauerer Betrachtung kannst Du dann feststellen, dass der Druck doch nur von zwei schmalen Verstärkungsstreifen übernommen wird.

Der Kurzgurt hat sich an den Dressursätteln mittlerweile durchgesetzt. Der Hintergrund seiner Einführung war es, Deinen Oberschenkel so flach wie möglich am Sattel anliegend zu lassen, ohne die Schnalle des Gurtes und das zusätzliche Deckblatt dazwischen. Die DIPO (Deutsches Institut für Pferdeosteopathie) befürwortet allerdings die Langgurte, da sie den Pferdekörper besser umschließen. Verwendest Du einen Kurzgurt sollte dieser so lang sein, dass, im nachgegurteten Zustand, die Schnallen knapp unter der Satteldecke liegen. Weiter unten würden sie die Ellbogenfreiheit einschränken und könnten auf wichtige Nervenknotenpunkte drücken.

Der Einsatz der sogenannten „V-Gurtung“ ist bei der Verwendung von Kurzgurten in Mode gekommen. Sie kann bei Berücksichtigung bestimmter Aspekte auch durchaus sinnvoll sein, da sie z.B. den Sattel besser in der Mitte hält, falls die Muskulatur des Pferdes in Schulterbereich und Sattellage noch nicht beidseits gleichmäßig ausgeprägt ist. Die vordere Gurtstrupfe darf dabei nicht am Kopfeisen befestigt sein und die hintere Strupfe darf nicht allein das letzte Drittel des Sattels in den Pferderücken ziehen. Dann würden unter dem Sattel zwei Druckspitzen entstehen, ganz vorne und ganz hinten. Das Pferd kann jedoch auf einer etwa handtellergroßen Fläche in der Mitte der Sattelauflagefläche, tendenziell mehr zum Widerrist hin, den meisten Druck vertragen. Genau diese Fläche würde dann „überbrückt“ werden. Dies kann auch bei schlecht ausgeführter Ausführung der Sattelkissenpolsterung passieren.

Jeder Gurt sollte im Bereich des Brustbeins eine groß, weich gepolsterte Auflagefläche haben. Die Sensibilität des Pferdes am Brustbein wurde lange nicht erkannt, variiert aber auch bei jedem Pferd.

Und hier noch zwei grundsätzliche Regeln:

  • Nachgurten immer nur so fest wie nötig und NICHT so fest wie möglich!
  • Elastikeinsätze sollten möglichst beidseitig sein und nur relativ geringfügig nachgeben. So erleichtern sie dem Pferd wirklich das tiefe Ein- und Ausatmen während des Reitens. Ist die Elastizität wie die eines Gummibandes, besteht die Gefahr zu stark nachzugurten. (Stell Dir das bei Dir selbst vor, wenn Du Dir einen elastischen Gürtel ins letzte Loch ziehen möchtest!)
  • Hast Du einen einseitig elastischen Gurt, verwende ihn am besten so, dass sich der Elastikeinsatz auf der rechten Seite befindet und Du dann nur noch auf der linken Seite nachgurtest. So ist die Gefahr des zu festen Nachgurtens gemindert.

Ihr müsst Euch nicht den teuersten Gurt kaufen, aber Euer Pferd wird es Euch danken, in der Auswahl kritisch zu sein.

Eine große Auswahl verschiedenster Sattelgurte findet Ihr hier.