Beerbaum: "Ich wurde missverstanden"

Samstag, den 30. Januar 2010 um 00:00 Uhr

Düsseldorf - Ludger Beerbaum, 46, Olympiasieger, mehrmaliger Welt- und Europameister im Springreiten, über Doping bei Pferden, die Sinnkrise des Sports und seine Aussichten auf eine WM-Teilnahme in Kentucky.

Das WM-Jahr hat begonnen. Sie haben zuletzt das Championat von Basel gewonnen. Wie beurteilen Sie Ihren Start mit Blick auf die Weltreiterspiele im September in Kentucky?

Beerbaum: Bis dahin kann noch viel passieren. Ich bin mit den Leistungen meiner erst neunjährigen Stute Gotha sehr zufrieden, werde sie gezielt einsetzen. Meine sportlichen Prioritäten sind zweifelsfrei das Weltcupfinale im April in Genf und die WM. Wenn wir beide gesund bleiben haben wir gute Chancen, dabei zu sein.

Dem deutschen Team wurde unterstellt, es habe seine Dominanz verloren. Wie schätzen Sie das ein?

Beerbaum: In der Vergangenheit hat man von uns immer Medaillen erwartet, und wir haben sie auch geholt. Doch die anderen Nationen haben aufgeholt. Die deutschen Reiter haben nicht an Glanz verloren, die anderen glänzen ebenfalls.

Wo ordnen Sie Deutschland im Vergleich zu den anderen Nationen ein?

Beerbaum: Es kommen sehr viele Komponenten bei einem Championat zusammen. Neben der Vorbereitung spielt auch die Tagesform eine Rolle ­ und auch etwas Glück. Es gibt vier/fünf Nationen, die gewinnen können ­ wir Deutschen sind darunter. Bundestrainer Otto Becker sagt, dass es nach der schmerzhaften Auseinandersetzung mit den Themen Doping und Medikation jetzt oberste Priorität habe, dass Ruhe einkehre und wieder über Sport gesprochen werde.

Was tut der Reitsport dafür?

Beerbaum: Der nationale Verband hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt und einige umgesetzt. Der internationale Verband FEI hat ebenfalls Maßnahmen verabschiedet, um Ruhe hereinzubringen, diese wurden allerdings ­ auch auf das Betreiben des deutschen Verbandes ­ zurückgestellt. Es wird einiges getan, noch fehlt allerdings etwas das koordinierende Miteinander. Wir Aktiven reiten ­ und versuchen weiterhin durch gute Leistungen auf uns aufmerksam zu machen.


"Erlaubt ist, was nicht gefunden wird." Dieses Zitat hat eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Stehen Sie zu dieser Aussage?


Beerbaum: Natürlich stehe ich dazu. Es gab einige Fehlinterpretationen dieser Aussage, die ich gemacht habe. Wer den Text ganz liest, sollte aber klar sehen.

Haben Sie sich falsch verstanden gefühlt? Immerhin trug diese Aussage dazu bei, dass der nationale Verband vorübergehend sämtliche Kaderathleten aus den Listen gestrichen hat.

Beerbaum: Ich bin tatsächlich missverstanden worden. Die Auflösung der Kader war nur von kurzer Dauer. Nach einer Befragung wurden alle Kader wieder eingesetzt.

Was entgegnen Sie den Tierschützern, die von Tierquälerei sprachen?

Beerbaum: Tierschützer müssen ernst genommen werden. Ich bin sicher, dass es unseren Spitzenpferden wesentlich besser geht als vielen Pferden in Freizeitställen. Trotz aller Mühen ist das Thema Medikation aber nicht vom Tisch.

Droht dem Reitsport ein Schicksal wie dem Radsport, dass er nur noch über die Dopingdiskussion wahrgenommen wird?

Beerbaum Das Problem ist, den Unterschied zwischen verbotener Medikation und Doping klarzumachen. Doping muss verboten werden. Leider werden Medikamente, die aus meiner Sicht notwendig sind, etwa Mittel gegen Verspannungen, als "verboten" eingestuft. In der Öffentlichkeit wird daraus dann "Doping". Wenn das nicht aufhört, droht ein Imageverlust.

Derzeit wird ein neuer TV-Vertrag verhandelt. Ohne ausreichende TV-Präsenz sind die großen Turniere kaum lebensfähig.

Beerbaum: Fernsehen ist für jede Sportart wichtig. Bisher gab es mit den Öffentlich-Rechtlichen eine gute Partnerschaft. Es wäre wünschenswert, dass dies so bliebe.


Quelle: RP-Online, STEFANIE SANDMEIER STELLTE DIE FRAGEN

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