Es fällt immer mehr auf: Auf den Turnierplätzen tummeln sich elastische Dressur- und mit Leichtigkeit fliegende Springpferde. Das Pferdematerial wird auch unter den Freizeit-Turnierreitern immer besser – häufig sind die ersten Plätze von eben diesen belegt.
Was aber, wenn das Geld für das mehrere Zehntausend-Euro-Pferd fehlt? Wenn es “nur” für ein durchschnittliches, solides Sportpferd reicht? Sich vom Turniersport-Traum verabschieden? Keinesfalls.

Auf den ersten Blick mag es vielleicht so sein, dass die “Hingucker” weit vorne liegen und anderen den Rang ablaufen. Wer aber genauer hinsieht, wird feststellen, dass auch die “normalen” Pferde durchaus Chancen auf Schleifen haben. Auch ein Strahlepferd ist kein Freifahrtsschein und will korrekt geritten sein. Denn oft bewegen sich die ausdrucksstarken Pferde auf dem schmalen Grad zwischen “Genie und Wahnsinn” – manchmal versagt das Nervenkostüm, die Hilfen werden so sensibel angenommen, dass es zu Fehlern bei unbeabsichtigter Hilfengebung kommt oder es gibt gar beim Einritt schon Probleme.
Wer also mit dem Gedanken spielt, sich ein Turnierpferd im unteren Preissegment zu kaufen, sollte ein paar kleine Dinge beachten, die aber möglicherweise später in der Prüfung den entscheidenden Vorteil bringen können – auch gegen vermeintlich hohe Konkurrenz:
Das Pferd sollte ehrlich und lieb sein und, wie man immer so schön sagt, das Herz am richtigen Fleck haben! Klingt zuerst nach einem Kinderpferd? Mag sein. Aber ein Pferd, das möglicherweise in der Dressur nicht die ausdrucksstärksten Gangarten hat, dafür aber an keiner Ecke, keinem Blumenkasten oder Richterhäuschen auch nur mit der Wimper zuckt und punktgenau sowie korrekt (!) die Lektionen geritten wird, bringt schon mal einen guten Vorteil mit sich.
Ebenso das Springpferd, das mit Herz jeden Oxer anvisiert, egal, wie farbenfroh oder unterbaut – gerade in den kleineren Klassen, wo der Reiter möglicherweise noch nicht die Routine mitbringt, um das Pferd souverän durch einen Parcours zu begleiten, sind solche Pferde gold wert.
Sicherlich gilt es, in allen Disziplinen für die höheren Klassen ein Pferd zu haben, das das Potenzial für die Lektionen und Höhen mit sich bringt. Aber bis es soweit ist, vergeht oft eine häufig unterschätze Zeit in der ein Freizeit-Turnierreiter gut damit beraten ist, sich erstmal auf einem Verlasspferd die Turnierwelt anzusehen, um den Spaß daran zu entwickeln.
Und wer kennt es nicht – ob Kracher- oder Durchschnittspferd: Viel Fleiß, Motivation und Umgang mit Niederlagen gehören so oder so dazu, um langfristig im Turniersport am Ball bleiben zu können.