Franklin Bälle

Die luft- oder sogar wassergefüllten lustigen bunten Bälle sind zur Zeit in aller Munde. Oder besser: „unter allen Reiterpopos“. Doch was macht sie so besonders? Wieso schaffen sie Veränderungen des Reiters, was schon hundertfache Korrekturanweisungen des Reitlehrers nicht geschafft haben?

Der Erfinder dieser Bälle, Eric Franklin, entwickelte Anfang der 80er Jahre die sogenannte „Imaginäre Bewegungspädagogik®“. Er ist Sportwissenschaftler, Tänzer und Choreograph und sieht seine Entwicklung als ganzheitliches Trainingskonzept für Sportler und zur Gesundheitsprävention. Sie basiert auf verschiedenen Bewegungslehren, Berührung, Imagination und erlebter Anatomie.

Dort liegen die Gemeinsamkeiten zum Bewegungstraining für Reiter nach Eckart Meyners. Auch er ist Sportwissenschaftler und dazu als Vater und Ehemann umgeben von reitsportbegeisterten Damen. Eckart Meyners kam auf die Idee, die Arbeit mit Franklin Bällen in sein Konzept zu integrieren und brachte sie dadurch landauf und landab in die Reithallen. Er sieht den Reiter ganzheitlich und fordert ihn auf, ein „inneres Auge“ für Bewegungsvorstellungen zu entwickeln. Der Reiter soll sich und sein Pferd wahrnehmen und, sowohl mit sich als auch mit dem Pferd, einen „Dialog“ führen.

Das Reiten mit den verschiedenen Bällen unter dem Gesäß, den Armen oder den Oberschenkeln gibt dem Körper und dem Gehirn des Reiters einen deutlichen Impuls aus seinem gewohnten Bewegungsmuster auszubrechen. Die vielfältigen Bewegungsübertragungen der Bälle sensibilisieren den Reiter. Er „wird bewegt“ und kann die neuen Bewegungen zunächst nicht steuern oder kontrollieren. Die einzelnen Körperteile müssen sich neu organisieren. Das Gehirn sucht nach Lösungen um der veränderten Situation wieder Herr zu werden. Nach einigen gerittenen Runden findet der Reiter sein Gleichgewicht und Rhythmus wieder und kann den Bewegungen des Pferdes folgen und auf es einwirken. Das bedeutet, es sind neue Bahnen und Vernetzungen im Gehirn geschaffen worden. Der Reiter hat neue Bewegungsmuster gewonnen, die als Lösungswege für sich ständig veränderende Reitsituation zu verstehen sind. Das Aufbrechen der alten Bewegungsmuster ermöglicht dem Reiter die alten „schlechten Angewohnheiten“ vielleicht endlich loszuwerden.

Es gibt verschiedene Bälle mit denen Du arbeiten kannst. Bis auf die Fascia-Rolle können alle Bälle verschieden stark aufgepumpt werden. Zu Beginn sollte ein geringer Härtegrad gewählt werden, dann kann und sollte aber auf jeden Fall variiert werden.

Vorschläge zur Verwendung und Platzierung der Bälle:

Der grüne Original Franklin-Ball wird einseitig unter einem Sitzbeinhöcker platziert, so dass es sich für Dich zunächst einmal schief und falsch anfühlt. Du wirst jedoch erstaunt sein wie schnell dieses Gefühl weicht. Je öfter Du eine solche Ungleichgewichtssituation übst, desto besser funktionieren die Ausgleichsmechanismen Deines Körpers. Macht Dein Pferd mal einen Satz zur Seite kann Dir das helfen den Sattel nicht unfreiwillig zu verlassen! Nach einigen Minuten reiten in allen Gangarten – leichttraben ausgeschlossen 😉 – wird zwischen rechts und links gewechselt. Zu guter Letzt kannst Du danach die Bälle auch beidseitig einsetzen. Was es gebracht hat merkst Du, wenn Du die Bälle wieder weglegst: Ein deutlich tieferes Sitzgefühl, dabei eine bessere Aufrichtung, mehr Sensibilität für die einseitige Gewichtshilfe und eine engere Verschmelzung mit Deinem Pferd. Grund dafür ist die Stimulierung der Akupunkturpunkte an den Sitzbeinhöckern, die auf die Bereiche der Rückenmuskulatur wirken, die wir nicht bewusst steuern können. Die Rezeptoren der Rückenmuskulatur werden sensibilisiert, die Feinabstimmung verbessert sich, Du kannst aufgerichteter im Sattel sitzen.

Ähnlich wirkt die hellblaue Mini-Rolle. Diese wird quer im Sattel unter den Sitzbeinhöckern platziert. Es wird sich erst einmal so anfühlen als wärst Du viel zu hoch über dem Pferd. Die erhöhte Sitzposition sorgt dafür, dass die dreidimensionalen Bewegungen des Pferderückens intensiver auf Dein Becken übertragen werden. Neben der Stimulierung der Akupunkturpunkte werden die Faszien (Bindegewebsstrukturen um die Muskulatur und inneren Organe) der Gesäßmuskeln angeregt, was eine deutlich feinere Wahrnehmung der Bewegungen des Pferdes zur Folge hat und ein weicheres Eingehen in die Bewegung ermöglicht. Zusätzlich wird die für die versammelnde Arbeit so wichtige Beckenbodenmuskulatur trainiert. Dein Pferd wird es durch schwungvollere Bewegungen reflektieren und Du wirst das Kippen Deines Beckens zielgerichteter auch für die Versammlung einsetzen können!

Die lilafarbene wassergefüllte Fascia-Rolle wirkt grundsätzlich wie die Mini-Rolle, wird auch quer im Sattel benutzt. Du wirst sie eventuell als noch gewöhnungsbedürftiger empfinden, aber sie erzielt möglicherweise größere Effekte. Du solltest jedoch warten bis Du gut mit der Mini-Rolle in verschiedenen Härtegraden zurechtkommst, bevor du die größere Fascia-Rolle verwendest.

Der orangene Soft-Ball und der rote Mini-Ball werden unter den Achseln und an den Adduktoren, den Innenseiten der Oberschenkel, eingesetzt. Für die Achseln gilt: Egal ob Du die Soft Bälle nur weich aufpumpst oder die Mini-Bälle benutzt, Du wirst Dich auf jeden Fall „wie Popeye“ fühlen! Wichtig ist es, die Bälle wirklich so weit oben wie möglich zu platzieren, damit die Arme entspannt fallen. Der Gelenkkopf des Oberarmes füllt die Gelenkpfanne an der Schulter nur zu einem Viertel aus, das Gelenk wird in erster Linie durch die umliegende Muskulatur stabilisiert. Durch den Ball an dieser Stelle werden diese kräftigen Muskelstrukturen in der rhythmischen Bewegung des Pferdes vielfältig bewegt, die Faszien angeregt. Das führt zu einer besseren Koordination im gesamten Schulterbereich. Nach dem Wegnehmen der Bälle wirst Du eine „weichere Hand“ haben und Dein gesamter Hals-, Nacken- und Schulterbereich ist gelockert.

Die Bälle an den Adduktoren werden Dir wahrscheinlich zunächst unangenehm bis schmerzhaft sein. Dies liegt daran, da sie dort einen Massageeffekt auf die Muskeln ausüben. Diese sind bei Reitern, die zum Klemmen neigen, häufig verhärtet. Die Schmerzen entstehen dadurch, dass „Verklebungen“ gelöst werden, die Schmerzen werden also nachlassen, wenn Du „am Ball bleibst“! Du solltest die Lage der Bälle an den Adduktoren zwischen Knie und Schambein variieren. Nimmst Du die Bälle wieder weg, wirst Du besser von der Mittelpositur nach unten und oben durchschwingen können, da Knie und Oberschenkel nicht mehr klemmen.

All die beschriebenen Effekte werden nach einmaliger Benutzung nicht von langer Dauer sein. Ihr müsst in allen möglichen Varianten immer wieder, und sei es nur in der Aufwärmphase, mit den Bällen arbeiten um die Strukturen in Eurem Körper dauerhaft für Euer Reiten zu verbessern. Es lohnt sich!

Schaut Euch auch unsere Videos über die Arbeit mit den Franklin Bällen an!
Weitere Infos zum Thema Bewegungstraining nach Eckart Meyners auf www.bewegungstrainer-em.org

2017-03-02T11:27:02+00:00 Februar 23rd, 2017|Ausbildung|

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