Pferdetrainer Michael Geitner, der Erfinder der Dualaktivierung, hat ein zweites vielversprechendes Trainingskonzept für Pferde entwickelt: Equikinetic. Kurz gesagt, ist es Longieren am Kappzaum in Innenstellung nach einem bestimmten Zeitsystem und auf einer Quadratvolte. Es fördert den Muskelaufbau und die Konzentrationsfähigkeit des Pferdes. Das Pferd lernt durch gleichmäßige, konstante Beanspruchung der Muskelgruppen, die Last auf dem inneren Hinterbein aufzunehmen und seinen Takt zu halten – Voraussetzungen für das ausbalancierte Tragen eines Reiters. Das Training ist für alle Pferde geeignet, besonders für junge Pferde zum Muskelaufbau vor dem Anreiten und für ältere oder Reha-Pferde zur körperlichen und geistigen Auslastung, jedoch auch für normale Reitpferde zur Unterstützung des täglichen Trainings. Es kann durch geringen Vorbereitungs- und Zeitaufwand leicht in den Alltag integriert werden.

Trainiert wird nur wenige Minuten pro Einheit. Die eigentliche Arbeit beträgt aufgrund der großen Kraftanstrengung des Pferdes selten mehr als 20 Minuten. Es gibt einen exakt durchgestuften Trainingsplan, der genaue Vorgaben zu Arbeits- und Pausenintervallen, Richtung, Tempo und Stärke der Biegung macht. Die Phasen wechseln sich ab und bieten so bei absolut gleichmäßiger Belastung der Muskelgruppen effektive Reize zum korrekten Muskelaufbau. Eine Erhöhung der Stufe wird erst vorgenommen, wenn das Pferd die vorherige Stufe an mehreren Tagen erfolgreich, fit und ohne Ermüdungsanzeichen absolviert hat. Man sollte das Training nicht unterschätzen. Die Pferde sind schnell überfordert und wehren sich direkt oder indirekt durch Stolpern, Bocken, Verlassen der Gassen und Verwerfen im Genick. Daher sollte es für den Muskelaufbau Kur-weise nur wenige Wochen 2-3 Mal wöchentlich trainiert und dann einmal wöchentlich weitergeführt werden, um die Muskeln zu erhalten. Auf jeden Fall einzuhalten ist aber eine Pause von mindestens 48 Stunden zwischen den Trainingseinheiten, die dann mit leichteren Aufgaben wie z.B. Ausreiten gefüllt wird. In diesen Regenerationsphasen findet der eigentliche Muskelaufbau statt.

Kern des Trainings ist eine exakte Stellung des Pferdes und das gleichmäßige Tempo. Gearbeitet wird während der Equikinetic nur im Schritt und Trab. Arbeitsmaterial sind dabei ein gut sitzender Kappzaum, eine nicht zu lange Longe, eine Touchiergerte oder kurze Fahrpeitsche von circa 1,50 Metern und einen Timer (z.B. Smartphone-App) für die genauen Zeitintervalle.

Longiert wird in einer sogenannten Quadratvolte, einer quadratischen Gasse aus Schaumstoffbalken in Blau und Gelb. Sie sind bereits aus der Dual-Aktivierung bekannt und bergen ein geringeres Verletzungsrisiko als übliche Holzstangen. Das innere Quadrat sollte für Großpferde einen Durchmesser von 8 Metern haben, das äußere Quadrat wird im Abstand von 80-150cm außen rum gelegt. Alternativ kann man auch die äußere Begrenzung durch farblich entsprechende Pylonen ersetzen. Die Quadratvolte hat den Zweck dem Pferd eine sichtbare Begrenzung zu bieten. Das Pferd läuft dort drin wie auf „Schienen“, also plan auffußend, nicht in Schieflage. Bei korrekter Arbeit von Mensch und Pferd entsteht durch die Hufspuren des Pferdes trotzdem ein geometrischer Kreis.

Blau und gelb sind die Farben, die Pferde nachweislich am besten wahrnehmen und unterscheiden können. Die beiden Farben – eine innen, eine außen – bieten einen starken Reiz, fordern hohe Konzentration und stärken die Vernetzungen im Gehirn.

Durch die kurzen Trainingseinheiten und den geringen sichtbaren Aufwand wirkt Equikinetic erst einmal ziemlich simpel. Für das Pferd ist es aber mit körperlichen und mentalen Höchstleistungen verbunden, welche man keinesfalls unterschätzen sollte. Aber gerade deswegen ist diese Art des Trainings auch sehr effektiv und eine sinnvolle Ergänzung zur täglichen Ausbildung des Pferdes.

Wenn man sich unsicher ist, das Pferd oder sich selbst richtig einschätzen zu können oder auch die richtige Stellung des Pferdes nicht erkennen kann, sollte man sich die Hilfe eines Trainers suchen oder einen Kurs zu dem Thema besuchen. In jedem Fall sollte man sich vorher ausgiebig informieren, um dem Pferd in Übereifer nicht zu schaden.

Buchtipp: „EQUIKINETIC – Pferde effektiv longieren“ von Michael Geitner und Alexandra Schmid, erschienen im Müller Rüschlikon Verlag.