Dein Tierarzt ist nach Anwendung der ihm zur Verfügung stehenden Diagnostik oder sogar nach mehreren Wochen der Behandlung ohne sichtlichen Erfolg ratlos. Eventuell sagt er dann: „Da muss jetzt mal ein MRT gemacht werden.“ Du denkst dann vielleicht nur: „Was zur Hölle ist das denn?“ Deine Freundin könnte sagen: „Bei meinem Pferd ist damals ein CT gemacht worden!“ Und spätestens dann bist du komplett verwirrt. Was steckt denn nun hinter diesen Abkürzungen und wo liegen die Unterschiede?

MRT steht für Magnetresonanztomographie, ein anderes Wort dafür ist Kernspintomographie. Es ist ein bildgebendes Verfahren zur Diagnostik der Strukturen und Funktionen von Geweben und Organen. Weichteile können sehr gut dargestellt werden. Seit den Siebzigern ist es in der Humanmedizin etabliert, etwa seit der Jahrtausendwende auch in der Pferdemedizin. Die Technik basiert auf sehr starken Magnetfeldern und magnetischen Wechselfeldern im Radiofrequenzbereich. Es werden Schnittbilder der zu untersuchenden Körperregion erzeugt. Ein geschlossener oder ein seitlich geöffneter Tunnel bewegt sich dabei um das Pferd herum. Untersucht werden können damit die unteren Gliedmaßen, der Kopf und die vordere Halswirbelsäule des Pferdes. Kleine Ponys und Fohlen können sogar komplett untersucht werden. Das Untersuchungsverfahren nimmt recht viel Zeit in Anspruch, mindestens eine Stunde, und es ist wichtig, dass der Patient sich in dieser Zeit nicht bewegt. Daher muss das Pferd für Aufnahmen der Gliedmaßen sediert oder sogar komplett in Narkose gelegt werden. Trotzdem kann es noch zu sogenannten Bewegungsartefakten kommen, also Bildstörungen/Unschärfe durch physiologische Patientenbewegung. Das Gerät macht außerdem ein mehr oder weniger lautstarkes Klopfgeräusch, was die Pferde sonst verängstigen könnte. Da diese Technik sehr teuer ist, gibt es nur wenige Kliniken in Deutschland, die dieses Untersuchungsverfahren anbieten können.

Das Knochenödem, das die Karriere des Ausnahmepferdes Totilas beendete, wurde durch ein MRT entdeckt. Zum Glück! Denn die Flüssigkeitsansammlung im Kronbein des linken Hinterbeines des Hengstes hätte bei Nichtbehandlung zu einem Ermüdungsbruch geführt, der wohl nicht nur, wie jetzt, seine Karriere beendet hätte, sondern wahrscheinlich auch sein Leben.

CT steht für Computertomographie. Es ist ein bildgebendes Verfahren aus der Radiologie, es arbeitet also mit Röntgenstrahlen. Dieses Verfahren wird schon etwas länger als das MRT in der Pferdemedizin eingesetzt. Zwei Geräte, der „Röntgenstrahler“ und der „Empfänger“, bewegen sich um das Pferd herum und nehmen dabei in Sekundenschnelle eine Vielzahl von Röntgenbildern aus verschiedenen Richtungen auf. Ein Computer verarbeitet diese Bilder zu Schnittbildern und weiter sogar zu einer 3D-Rekonstruktion. Nach Abschluss der Untersuchung können weitere benötigte Bilder, zum Beispiel aus einer anderen Blickrichtung, mittels des Computers hergestellt werden. Kopf und vordere Halswirbelsäule können am stehenden sedierten Pferd untersucht werden, für die Untersuchung der Gliedmaßen muss das Pferd in eine kurze Narkose gelegt werden. Auch diese Technik ist sehr teuer und wird nicht in vielen Klinken angeboten.

Das CT eignet sich besonders für die Darstellung von Knochenstrukturen. Nach Injektion eines Kontrastmittels lässt sich auch der Knorpel beurteilen. Weichteile sind auch erkennbar, lassen sich im MRT jedoch generell besser darstellen. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. Der größte Vorteil des MRT ist, dass es ohne Röntgenstrahlen auskommt. Dafür ist es sehr zeitaufwendig, Bildstörungen können leichter auftreten und zusätzlich ist die Gefahr und das Risiko einer längeren Narkose für das Pferd nicht zu unterschätzen. Im Gegensatz zum MRT dauert die Untersuchung beim CT nur wenige Minuten. Demmach ist die Sedierung oder die Narkose etwas ungefährlicher für das Pferd. Nachteil ist aber auch, dass in diesem Verfahren Röntgenstrahlen eingesetzt werden, die für das Pferd potenziell gesundheitsgefährdend sein können.

Diese Auflistung ist keinesfalls vollständig. Letztendlich muss der Tierarzt mit Dir zusammen entscheiden welche der Methoden für Dein Pferd sinnvoller erscheint. In die Entscheidung kann auch schlichtweg mit einfließen, welches der beiden Geräte in Deiner Umgebung verfügbar ist. Liest man sich die Internetseiten der Kliniken durch, die das eine oder das andere Gerät bereitstellen, wird das jeweils zur Verfügung stehende Verfahren als das bessere angepriesen. Mach Dich also selbst tiefergehend schlau, um den Tierärzten die richtigen und für Dich und Dein Pferd wichtigen Fragen stellen zu können!