Berufsreiter und Amateurreiter haben sich immer mehr vermischt, sie sind heutzutage nicht mehr so eindeutig voneinander zu trennen, wie es vor wenigen Jahrzehnten noch der Fall gewesen ist. Reiter, die ihren Sport professionell betreiben und damit Geld verdienen, sind nicht zwangsläufig auch Pferdewirt oder Pferdewirtschaftsmeister. Berühmtestes Beispiel hierfür ist wohl Isabell Werth. Sie deswegen als Amateurreiterin zu bezeichnen wäre wohl mehr als vermessen. Auch die LPO tat sich sehr schwer zu definieren, wer Amateur und wer Profi ist, um homogene Starterfelder zu schaffen.

Bei den seit 1959 ausgetragenen „Deutschen Meisterschaften“ jeder Disziplin, dürfen beide Lager antreten. Seit 2011 finden sie für Dressur und Springen alljährlich in Balve statt. Das Besondere an diesen Meisterschaften ist, dass in der Dressur der Meistertitel bis 2008 getrennt für Reiter und Reiterinnen vergeben wurde! Noch bis heute wird es im Springen ähnlich gehandhabt. Es gibt die Meisterschaft der Herren, dort sind jedoch auch Damen zugelassen. Und tatsächlich sicherte sich 2008 erstmalig -und bisher einmalig- eine Dame den Meistertitel „der Herren“. Es war keine Geringere als Meredith Michaels-Beerbaum. Zusätzlich gibt es die Meisterschaft der „Amazonen“, diese gewann im Jahr 2009 REITTV-Springtrainerin Rebecca Golasch!

Seit 1995 reiten die Berufsreiter unter sich den Titel des Deutschen Berufsreiterchampions aus. Das Besondere an den Berufsreiterchampionaten: im Finale der besten Drei wird das verlangt, was den Berufsreiter ausmachen sollte, nämlich sich schnell auf ein ihm fremdes Pferd einstellen zu können. Jeder Finalteilnehmer stellt in einer verkürzten Aufgabe bzw. einem Stechparcours zunächst sein eigenes Pferd vor. Daraufhin findet ein Pferdewechsel statt und jeder Finalteilnehmer stellt nach nur wenigen Minuten Vorbereitungszeit das Pferd seiner beiden Mitstreiter vor. Das hat auch zur Folge, dass am Ende nicht nur dem besten Reiter aus dem Finale eine Siegerschärpe umhängt, sondern auch dem Pferd, das in Addition das beste Ergebnis erzielte. In der Vielseitigkeit findet aus Gründen der Schonung der Pferde kein Pferdewechsel statt.

In diesem Jahr geht es los mit dem Berufsreiterchampionat im Springen vom 6.-9. April in Bad Oeynhausen. In zwei S-Springen können sich die Teilnehmer/innen für das Finale der besten Drei qualifizieren. In diesem Jahr könnte dem amtierenden Champion Felix Hassmann das Triple, der dreimalige Sieg in Folge, gelingen! Denn nicht nur 2016, sondern auch 2015 (und erstmalig 2010), konnte er das Finale bereits für sich entscheiden. Allerdings ist auch Andreas Kreuzer äußerst scharf auf den Titelgewinn, da er den Titel „Deutscher Meister der Herren“ bereits innehat.

Austragungsort für das Berufsreiterchampionat in der Dressur war von 2003 – 2013 Hagen am Teutoburger Wald, davor machte es mehrere Jahre in Bad Honnef und in Verden Station. Seit 2014 findet es im Reitsportzentrum Unna Massener Heide statt. In diesem Jahr vom 10. bis zum 14. Mai. Über einen Grand Prix und einen Grand Prix Special qualifizieren sich die besten drei Reiter/innen für das Finale mit Pferdewechsel, wo eine dem Kurz Grand Prix ähnliche Sonderaufgabe geritten wird. Hier könnte in diesem Jahr Heiner Schiergen aus Krefeld das Triple gelingen! Auch er konnte bereits 2015 und 2016 das Finale für sich entscheiden. Einzig Hartwig Burfeind gelang das bereits mit dem Titelgewinn in den Jahren 2009, 2010 und 2011. Dem „Alten Meister“ Hubertus Schmidt gelang zwischen 1997 und 2004 sogar fünfmal der Titelgewinn!

Vom 11.-14. Mai wird dann traditionell beim CIC3* in Marbach der Deutsche Berufsreiterchampion Vielseitigkeit gekört. Hier konnte Michael Jung bereits einmal das Triple komplett machen. Er holte sich in den Jahren 2010, 2011 und 2012 den begehrten Titel. In diesem Jahr ist es für viele Vielseitigkeitsreiter ein wichtiges erstes Vorbereitungsturnier für die Europameisterschaft im August in Strzegom (Polen).

Heimspiel in Marbach: Für Michael Jung ist das Turnier auf der Schwäbischen Alb wichtige Station auf dem Weg zur EM. Foto: Thomas Hartig/equistock.de

In diesem Jahr bekommen erstmals die Amateure ihre eigenen Deutschen Meisterschaften in Dressur und Springen. Sie wird vom 22.-24. September auf der Reitsportanlage Dagobertshausen in Hessen auf S-Niveau stattfinden. Im Laufe dieses Jahres werden dafür 11 Qualifikationsturniere stattfinden. Startberechtigt sind Reiter Jahrgang 1991 und älter, die der Option A (in geschlossenen Prüfungen zugelassen) zugeordnet sind, sowie LK 2 oder 3 haben. Weitere Infos findet Ihr hier.