Anweiden

Die Sonne lockt hinaus, das Gras sprießt, Du sehnst den 1.Mai herbei. Der 1. Mai ist in den meisten Pferdebetrieben der Stichtag für die Eröffnung der Weidesaison. Am liebsten würdest Du Deinem Pferd dann den ganzen Tag über beim genüsslichen Grasen auf der Weide zusehen. Damit das für Dich und Dein Pferd aber in den ersten Tagen und Wochen der Weidesaison auch wirklich ein Genuss ist und bleibt, musst Du Dir Gedanken über die Vorbereitung Deines Pferdes auf den ersten kompletten Weidetag machen.

Etwa vier Wochen vorher solltest Du schon mit dem Anweiden beginnen!

Das hat folgenden Grund: Der Organismus, genauer gesagt die Darmflora, Eures Pferdes muss sich wieder an das neue Futterangebot anpassen. Stroh, Heu, Heulage, Silage und Gras, also alle cellulosehaltigen Futtermittel, werden im Dickdarm des Pferdes durch Bakterien aufgeschlossen, verdaut und so dem Stoffwechsel zugeführt. Die Bakterien bilden die Darmflora. Während der grasfreien Zeit etablieren sich in der Darmflora die Bakterien, die auf die Verdauung der faserreichen, also der fester strukturierten, Futtermittel wir Stroh und Heu spezialisiert sind. Die Bakterien, die das faserärmere Gras während der Sommermonate verdaut haben, verschwinden im Winter nach und nach. Zu Beginn des Frühjahres müssen sich diese Bakterien also erstmal wieder erneut vermehren und etablieren. Lässt Du Dein Pferd zu früh zu viel Gras fressen, kann dieses also im Dickdarm nicht aufgeschlossen werden, das kann zu Durchfall, Blähungen und Koliken führen, im Extremfall auch zu einer Hufrehe.

Du musst Dir also einen Anweideplan machen, dieser könnte folgendermaßen aussehen:

Du startest am ersten Tag mit 15-20 Minuten Weidegang oder Grasen an der Hand. Am besten am Nachmittag, da am Morgen der Fruktangehalt in den Gräsern noch sehr hoch ist. Fruktan entsteht in den Gräsern während der Photosynthese, die während dieses Stoffwechselprozesses gewonnene Energie wird in langkettigen Zuckermolekülen, den Fruktanen gespeichert. Fruktane gelangen in den Dickdarm und führen dort zu einem Absterben der Darmbakterien. Dadurch entstehen wiederum Gifte (Toxine), die in die Blutbahn gelangen und Hufrehe verursachen können!

Dein Pferd hat während der Anweidephase idealerweise vorher immer schon Heu gefressen, so dass es sich nicht hungrig über das frische Gras hermacht, Kraftfutter sollte es jedoch erst danach bekommen. Du steigerst nun die Weide-/Grasenszeit täglich um 15-20 Minuten am Nachmittag, so bist Du nach zwei Wochen bei drei bis vier Stunden Weidegang. Nun kann Dein Pferd auch zusätzlich am Vormittag auf die Weide, ebenfalls erst kurz, dann immer länger. Treten während dieser Zeit keine Probleme auf, kann Dein Pferd nach etwa vier Wochen einen kompletten Tag auf der Weide genießen. Heu und Stroh sollte dennoch fester Bestandteil der Fütterung Deines Pferdes bleiben, da es dieses faserreiche Raufutter weiterhin zur Befriedigung seines Kaubedürfnisses benötigt.

2017-03-29T09:33:31+00:00 März 30th, 2017|Gesundheit & Pflege|

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